Bayerische Landschaftspflegeverbände Deutscher Verband für Landschaftspflege gefördert durch Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Schäferrevierkonzepte - ein Instrument für Naturschutz und Schäferei

Was ist ein Schäferrevier?

Als Schäferrevier wird das Gebiet bezeichnet, in dem sich ein Schäfer mit seiner Herde im Jahresverlauf bewegt. Es beinhaltet neben den Weide- und Futterflächen infrastrukturelle Einrichtungen wie Triebwege, Tränken, Pferche,  Ruheplätze und Stallungen für die Tiere.

Weideflächen

Schafe sind besonders geeignet Grünlandaufwuchs mit hohem Rohfaseranteil und geringerer Energiekonzentration zu verwerten. Sie sind optimale Weidetiere für viele geschützte Biotopflächen wie Kalkmagerrasen und andere Magerstandorte auch in steileren Lagen. Nicht selten handelt es sich bei den typischen Weideflächen um Grenzertragsflächen. Für ihren Mehraufwand und Ertragsverluste durch die Beweidung naturschutzfachlich hochwertiger Flächen erhalten Schäfer flächenbezogene Fördermittel aus den verschiedenen Programmen.

Futterflächen

Während der Winterstallzeit oder in schlechten Zeiten benötigt der Schäfer zusätzliches Futter um seine Tiere ausreichend zu versorgen. Hierfür braucht es vor allem Grünland, auf dem Heu, Heulage oder Silage gewonnen werden kann. Möglich ist auch der Anbau von Gras oder Kleegras auf Ackerflächen.

Triebwege

Auf Triebwegen geht der Schäfer mit seiner Herde und den Hütehunden von einer Weidefläche zur nächsten. Hüteschäfer legen teilweise große Strecken von mehreren Kilometern zurück. Je nach Herdengröße und örtlichen Gegebenheiten ist eine Mindestbreite von 6 m, für größere Herden jedoch von 10 bis 12 m erforderlich.

Triebwege können aber auch zahlreiche Gefahren bergen: Straßenüberquerungen und -nutzung oder Bahngleise sind für Schäfer sehr kritische Stellen. Veränderungen in der Landschaft, wie die Ausweisung von Baugebieten stellen die Schäfer ständig vor neue Herausforderungen. Andere Triebwege wachsen zu und müssen wieder freigeschnitten werden.

Pferchflächen

Ein Pferch ist ein eingezäunte Fläche, auf der die Herde in der Nacht untergebracht ist und wo der Großteil des Kots anfällt. Bevorzugt werden Ackerflächen dafür genutzt. Diese können im Gegensatz zu Grünland zur Flächenhygiene gepflügt oder gegrubbert werden. Für je 10 bis 15 ha Weidefläche ist rund 1 ha Pferchfläche nötig. Die einzelnen Pferchflächen sollen dabei eine Größe von 0,25 ha für eine Herde von rund 500 Mutterschafen nicht unterschreiten. Wünschenswert ist, neben der unmittelbaren Nähe zur Weidefläche, eine ebene, trockene, ruhige und geschützte Lage.

Der Pferch sollte außerhalb der Naturschutzflächen liegen. Dadurch können die wertvolle Flächen gezielt ausgehagert und damit die Artenvielfalt erhöht werden.

Stallungen und Tränken

Eine angemessene Stallung zählt zu den Einrichtungen eines Schäferrevieres. Nur noch wenige Wanderschäfer bleiben in ihrem Winterweiderevier auf den Flächen und verzichten auf eine Stallunterbringung. Inzwischen werden die Schafe häufig bis zu 120 Tage im Stall untergebracht. Entsprechend braucht ein Schäfer nicht nur einen geeigneten Stall, sondern auch Lagerfläche für das Futter.

Für Schäfer die sich weit von ihrer Hofstelle entfernen und Jungtiere mitführen, kann ein Unterstand eine große Erleichterung sein.

Die Verfügbarkeit von Wasser ist ein zusätzlich limitierender Faktor für den Hüteschäfer. Sind keine natürlichen Tränkmöglichkeiten im Revier vorhanden, muss das Wasser durch mobile Tränken bereitgestellt und herangefahren werden, was ein großer Zusatzaufwand für den Schäfereibetrieb bedeuten kann.

Das Schäferrevierkonzept

Ein Schäferrevierkonzept ist ein Planungswerkzeug für das Flächenmanagement des Schäfereibetriebs und des Naturschutzes. Es besteht aus verschiedenen Informationen zum Bestand, Bedarf und notwendigen Maßnahmen und Lösungsansätzen.

Das Schäferrevierkonzept besteht aus GIS-Karten, in denen in verschiedenen Bearbeitungsstufen Informationen eingegeben werden und einen Überblick über den aktuellen Stand des Schäferreviers geben.

  • Dem Schäfer verschafft das Schäferrevierkonzept einen Überblick über alle notwendigen Betriebsflächen samt Infrastruktur und versetzt ihn in die Lage, sein Revier nach Bedarf zu optimieren. Zudem kann es eine wichtige Hilfestellung sein, um den Betrieb für die Übergabe an einen Nachfolger vorzubereiten.
  • Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden hilft es, die Bewirtschaftung wichtiger Naturschutzflächen langfristig zu sichern und gegebenenfalls zu erweitern.
  • Für Kommunen dient das Schäferrevierkonzept als wichtige Grundlage bei der kommunalen Flächennutzungs- und Bauleitplanungen. Mittels Landschaftspflegemaßnahmen, aber auch Ökokonto-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen können zum Beispiel zugewachsene Flächen aufgewertet und einer Weidenutzung zugeführt werden.
  • Landschaftsplaner in Behörden und Kommunen erhalten damit wichtige Informationen, die sie in die Konzeption z. B. von Flurneuordnungsverfahren oder Ökokonten aufnehmen können.
  • Beispielkarte Bestand

  • Beispielkarte Bedarf

  • Beispielkarte Maßnahmen

Modellprojekt "Entwicklung von Schäferrevierkonzepten"

Der DVL führte bis 2018 ein Modellprojekt zur Erarbeitung von Schäferrevierkonzepten durch. Sechs Landschaftspflegeverbände erarbeiteten exemplarisch acht Schäferrevierkonzepte für sechs Hüte- und zwei Koppelschafhalter mit Umtriebsweide. Der DVL begleitete die Erarbeitung und leitete praxisnahe Empfehlungen ab, die in der Broschüre "Schäferrevierkonzept - eine Anleitung in drei Schritten" veröffentlicht wurden.

Beschreibungen der LPV-Projekte finden Sie hier.

Eine Anleitung in drei Schritten

Schaeferrevierkonzept_web.pdf | 2.0 MB

Das Projekt wurde gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds.

(c) Peter Roggenthin
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