Bayerische Landschaftspflegeverbände Deutscher Verband für Landschaftspflege gefördert durch Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Bayerischer Landschaftspflegetag am 22.09.2020 in Memmingen

22.09.2020

Im September veranstaltete der DVL gemeinsam mit der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Memmingen den Bayerischen Landschaftspflegetag. Im Fokus dieser Veranstaltung, an der über 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen, Behörden und Verbänden teilnahmen – die Hälfte davon online –, stand in diesem Jahr das Thema „Klimaschutz durch Landschaftspflege“.

„Der Schutz des Klimas ist neben dem Erhalt der Biodiversität die drängendste gesellschaftliche Herausforderung“ führte Nicolas Liebig, Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände, ins Thema ein. Da derzeit ca. 95 % der Moorböden in Bayern entwässert und zum größten Teil in land- und forstwirtschaftlicher Nutzung sind, komme der Landwirtschaft eine entscheidende Rolle zu. „Die Klimaschutzleistungen von Landwirtinnen und Landwirten, die zum Beispiel Flächen wiedervernässen und damit Treibhausgasemissionen mindern, müssten daher entsprechend finanziert und gefördert werden“ forderte Liebig.

Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Kommunen waren sich einig, dass die Wiedervernässung von Mooren essenziell für eine Treibhausgaseinsparung ist und gleichzeitig Schutz für eine spezifische Artenvielfalt bietet. Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag wies darauf hin, dass die Kommunen alleine durch Einsparungen bei Verkehr, Wärme und Emissionen die gesetzten Klimaschutzziele nicht erreichen könnten und auf den Ankauf von CO₂-Zertifikaten angewiesen seien. Hier böten sich neue Kooperationsmöglichkeiten mit der Landwirtschaft und den Landschaftspflegeverbänden. Alfred Enderle, schwäbischer Präsident des Bayerischen Bayernverbandes (BBV), zeigte sich grundsätzlich bereit für diese Kooperation: „Allerdings müssen die Rahmenbedingungen praktikabel und wirtschaftlich gestaltet sein. Wir müssen von unserem Tun und Handeln leben können!“. Dies könne durch das neue Berufsbild des Moor-Klimawirts erreicht werden, stellte Liselotte Unseld, DVL-Projektleiterin Moor- und Klimaschutz vor: „Mit einer Anhebung der Wasserstände und einer angepassten Bewirtschaftung von Moorböden schützen Landwirtinnen und Landwirte unser Klima. Mit dem Produktionszweig Klimaschutz müssen sie aber auch langfristig Geld verdienen können. Dafür reichen die derzeitigen agrarpolitischen Instrumente nicht aus.“

Professor Dr. Alois Heißenhuber von der Technischen Universität München spannte in seinem Beitrag den Bogen bis zur Neuausrichtung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik. Anstelle pauschaler Flächenprämien fordert Heißenhuber die Umweltleistungen der Landwirtschaft gezielt zu honorieren. Um die gesellschaftlichen Ansprüche nach mehr Umwelt- und Klimaschutz sowie Tierwohl zusammenzuführen, brauche es dringend einen moderierten Prozess unter Mitwirkung aller betroffenen Akteure. Ergebnis könne ein von einer breiten Mehrheit getragenes Zukunftsleitbild im Sinne eines Gesellschaftsvertrages sein.

Bei der anschließenden Exkursion zum nahegelegenen Hundsmoor stellte Jens Franke, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Unterallgäu, die Erfolge der jahrzehntelangen Landschaftspflegemaßnahmen vor. Landwirt Stefan Weinhardt und seine Kollegen erläuterten ihre Pflegetechnik und demonstrierten den interessierten Teilnehmenden an ihren Maschinen die Umbaumaßnahmen, die sie vorgenommen hatten, um die nassen Standorte für die Pflege befahren zu können.

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Nicolas Liebig, Foto: ANL

Exkursion ins Hundsmoor mit Landrat Eder (rechts) Foto: Baumeister

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